Holz mit Herz. Die Naturerlebnis-Stationen im Barfußpark Beelitz

Stabil, griffig und formschön, laden sie förmlich zum Begreifen und Erklettern ein: die einzelnen Stationen im Barfußpark Beelitz. 62 gibt es insgesamt, verteilt auf drei Barfußrouten von jeweils gut einem Kilometer Länge. Wo kommen die kleinen und großen Kunstwerke eigentlich her und wieso scheinen sie sich so perfekt an Ort und Gelände anzupassen?

Ganz einfach! Es sind Unikate, alle in Handarbeit für den Naturerlebnis-Park gebaut. Vom Aussichtsturm bis zu den Riechkästen, von den Nassstationen zum Baumtelefon. Alles handgefertigt hergestellt von Akteuren, die wir euch heute vorstellen.

Die Tischlereiwerkstatt der Stiftung Mensch.

Das unaufgeregt schmucke Erscheinungsbild des Beelitzer Barfußparks ist einer länderübergreifenden Zusammenarbeit zu verdanken, deren Reise ihren Anfang im hohen Norden Deutschlands nimmt. Von der Zentrale und Werkstatt der Stiftung Mensch in Meldorf aus führt die Spur ins niedersächsischen Egestorf, von dort – na klar, zurück nach Meldorf und dann mit einem großen Satz bis nach Beelitz, Brandenburg.

Als Jan Peters vor über 10 Jahren den Barfußpark Egestorf in der Lüneburger Heide plante, holte er die Meldorfer ins Boot. „Als gebürtiger Dithmarscher wusste ich, dass die Stiftung Mensch verschiedene Werkstätten hat und habe dort einfach mal angefragt. Was mich gleich für die Meldorfer eingenommen hat, was die persönliche Note, der Enthusiasmus, mit dem dort alle zu Werke gehen. Gute Materialien und solide Verarbeitung führen dazu, dass die Stationen sehr nachhaltig konzipiert sind und wir nur sehr selten Ersatzteile brauchen oder Reparaturbedarf haben.“

Nichts von der Stange: Natürlich – Menschlich – Kreativ

„Das war das erste Mal, ein Versuch, etwas ganz Neues zu kreieren. Wir sind froh über das Ergebnis und dass es allen Beteiligten so einen Spaß gemacht hat.“, bekräftigt der Leiter der Tischlerei und Arbeitsgruppenleiter Andreas Kleist.

Unter der Anleitung von insgesamt fünf Gruppenleitern bauen die Mitarbeiter*innen, alles Menschen mit Handicaps, in der Werkstatt ein Unikat nach dem nächsten. Die Arbeit für den Barfußpark ist etwas Besonderes. „Wir haben andere Gegenstände, größere Maßstäbe. Das ist eine ganz andere Situation für die 41 Werkstatt-Mitarbeiter, die auch eine andere Unterweisung erfordert.“ Die Tatsache, dass es für diesen Kontext weniger Wiederholungen gibt als beispielsweise bei dem bereits ausgezeichneten Schlafstrandkorb für die Küstenorte, erhöht ebenfalls den Exotenstatus der Barfuß-Stationen.

Auch der Ortsbezug spielt eine große Rolle. Alle Stationen des Pilotprojekts in der Lüneburger Heide sind an die Besonderheiten des Geländes angepasst. In der Zusammenarbeit mit den Egestorfern entwickelte sich das Werkstatt-Team der Stiftung Mensch immer weiter.

„Wer schon einmal ein Haus gebaut hat, kann auch ein anderes Haus bauen“, dachten sich Andreas Kleist und sein Gruppenleiter Marcus Dudeck, als Thomas Müller-Braun auf Empfehlung von Jan Peters in der Planungsphase für den Barfußpark in Beelitz auf die Dithmarscher zuging. In der Zusammenarbeit setzten Werkstatt und Barfußpark-Betreiber für das Partnerprojekt in Beelitz auf Einzigartigkeit mit Wiedererkennungseffekt. „Wir haben drauf geachtet Dinge zu bauen, die es so nicht nochmal in anderem Park in Deutschland zu sehen gibt. Und unsere Note da zu setzen, wo es passt.“

Der Beelitzer Barfußpark entsteht

Am 4.10.2016 laufen Andreas Kleist und Thomas Müller-Braun erstmals durch die 15 Hektar, die bereits im darauf folgenden Jahr als Barfußpark Beelitz die Herzen der Region erobern wollen. An jenem Tag ein Hürdenlauf durch das Mikadofeld, das ein herbstlicher Sturm hinterlassen hatte. Hier braucht es noch viel Vorstellungskraft… In den Wintermonaten entstehen erste Entwürfe, erste Stationen werden entschieden.

Viele der 41 Stationen aus Dithmarscher Hand lassen sich aufbauend auf den Prototypen für Egestorf modellieren und für das Brandenburger Gelände anpassen. Die beklebten Drehscheiben, die Tast- und Riechkästen und Nassbecken, die Slackline und Balanciereinheiten wie Wackelklötze, Balken und Stelzen gehören dazu. Alle Stationen, auch der 5 Meter hohe Aussichtsturm, wurden in der Werkstatt der Stiftung Mensch einmal komplett montiert, nach Kriterien der Arbeitssicherheit durchgecheckt, wieder abgebaut und im Beelitzer Park wieder aufgebaut.

Eine echte Herausforderung war der Bau der eigens für den Beelitzer Barfußpark angefertigten Hangelbrücke, einer sehr prominenten Station auf der roten Route. Allein die Frage, wo genau sie – und damit das Fundament hinkommt, beschäftigte mehrere Gewerke. Gemeinsam tasteten sich Thomas Müller-Braun, Bauleiter Ralf Herzog und Werkstattleitung in dem Neuland-Projekt vor. „Zum Glück fand sich ein Metallbaubetrieb, der genau so Bock hat was zu machen wie wir und nicht nur auf das Geld guckt“, erinnert sich Andreas Kleist. Denn vom ersten Plan bis zum Aufbau im Park gäbe es immer noch Veränderungen. „Da müssen sich Montage und Herstellung dann entsprechend anpassen,“ so Kleist. Da alle mit viel Herzblut und Engagement bei der Sache sind, klappe das auch sehr gut.

Echt Nachhaltig bauen

Das Material für die Naturerlebnis-Stationen kommt aus Schleswig-Holstein, allesamt Partner, die in der Materialbeschaffung und Verwendung nachhaltig vorgehen. Tropenhölzer sind tabu. „Wir suchen immer nach Alternativen“, so Kleist. Für Beelitz hat die Stiftung Mensch Lärche und Eiche verwendet. Eiche für alle bodenberührenden Teile, die sich durch Vergrauung selbst schützende Lärche für alles, was frei zugänglich und „in der Bewitterung“ ist.

Holz-Recycling ist beim Bau von Unikaten fast nicht möglich, stellt Kleist ferner fest: „Der Aufwand, einen passigen Balken aus einem Abbruch zu finden, wäre nicht zu leisten. Als gestalterische Elemente kann man so etwas vereinzelt einbauen, oder eben einen Baumstamm aus einem Windbruch. Die Kletterstelzen für Beelitz beispielsweise sind aus einem Baum entstanden, der dem Sturm zum Opfer gefallen ist.“

Auf die Frage, welche Station er gern als nächstes in Beelitz sehen würde, erzählt der engagierte Werkstattleiter von einer Riesenlupe, die bereits in Planung sei. „Durch die Linse können Besucher dann feste Exponate bewundern oder auch eigene Fundstücke vergrößert betrachten.“, begeistert sich Kleist. „Hier wird in jedem Fall drauf zu achten sein, dass durch die Sonneneinstrahlung keine Brandgefahr entsteht. Unser Techniker (Ralf Herzog) hat einen tollen Blick dafür, was wo hinpassen würde.“

Infokasten | Stiftung Mensch

Seit den 1960er Jahren setzt sich die Stiftung Mensch für eine starke Gemeinschaft ein, in deren Zentrum stets der Mensch steht. Auf den vier großen Säulen Arbeit, Wohnen, Fördern, Kultur setzt sich die Stiftung an 5 Standorten in Dithmarschen für selbstbestimmte und selbstbewusste Teilhabe ein. Ihre Angebote für Mitarbeiter*innen sowie ambulante oder in ihren Häusern Wohnende umfassen dabei jede Phase des Lebens. Die Tischlerei mit der benachbarten preisgekrönten Strandkorbmanufaktur, in der ausschließlich Menschen mit Behinderungen arbeiten, ist Teil des schöpferischen Kosmos.

www.stiftung-mensch.de

 

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